News
  Bericht von http://www.ig-gespannrennen.com/_private/Rennberichte_2005/Lausitz-2.htm
 

Das Rennen der Aufholjagden

 

Text: Hubert Lebeau; Fotos: Thomas Neidhardt

Der IDM-Auftakt 2005 der Sidecars auf dem Eurospeedway Lausitz war das Rennen der Aufholjagden, bei dem nur die Sieger Roscher/Hänni scheinbar unbeeindruckt ihre Bahn zogen. Der Nordhesse und sein Copilot aus der Schweiz dominierten das ganze Wochenende: Mike Roscher und Adolf Hänni bestätigten die gute Vorstellung vom IDM-Trainingstag auf gleicher Strecke und waren sowohl im Trocken- als auch im Regentraining die Schnellsten. Im Rennen ließen sie lediglich dem als Blitzstarter bekannten Sepp Moser drei Runden den Platz an der spärlich scheinenden Lausitzer Sonne, bevor sie an diesem vorbei- und dann auch wegziehen konnten. Im Ziel nach zwölf Runden betrug der Vorsprung satte 18 Sekunden vor dem Alpen-Duo Moser/Wäfler. Josef Moser strahlte trotzdem über das ganze Gesicht: „Wir verfolgen ein neues Konzept und sind mit dem erstmals eingebauten Honda-Motor auf Anhieb auf den 2. Platz gefahren. Meine Mannschaft hat über den Winter ganze Arbeit geleistet.“
Aufholjagd Nummer 1 war die des amtierenden Meisters Jörg Steinhausen. Der musste wegen der plötzlichen Krankheit von Trevor Hopkinson in der kurzen Trainingszeit nicht nur einen neuen Passagier „einfahren“, sondern hatte auch noch einen Platzer an seinem Einsatzmotor zu beklagen. Der 22-jährige Brite John Briggs, normalerweise im Seitenwagen des Schweden Billy Gällros, konnte sich unter diesem misslichen Umständen nur schlecht und recht an den ungewohnten Arbeitsplatz gewöhnen, in dem alle Griffe und Mulden auf seinen Landsmann Hopkinson abgestimmt sind. Platz 12 war deshalb die ungewohnte Startposition des Nümbrechters, aus der dann auch noch der allerletzte Startplatz wurde, als die LCR-Suzuki mit der Startnummer 1 erst in letzter Sekunde zur Warm up-Runde aus der Boxengasse startete.
So chaotisch das Training für den erfolgsgewohnten Steinhausen war, so normal entwickelte sich zunächst sein Rennen. Der Deutsche Meister hatte wenig Mühe, aus den hintersten Reihen bis in die Spitzengruppe vorzustoßen. Blieb nur die spannende Frage, wie weit nach vorn die Reise noch gehen könnte. Doch bei einem hektischen Überholmanöver geriet das Gespann auf die Streckenbegrenzung, wo es so kräftig durchgeschüttelt wurde, dass John Briggs mit dem Arm höchst unsanft auf den Rahmen knallte. Als Jörg Steinhausen sich an die zweitplatzierten Moser/Wäfler heranpirschte (Moser: „Ich konnte den Jörg schon hinter mir hören“), gab Briggs schmerzverzerrt Klopfzeichen. Steinhausen blieb nichts anderes übrig als in den verbleibenden Runden den 3. Platz gegen die näher kommenden Centner/Helbig abzusichern. Jörg Steinhausen meinte im Ziel: „Diese Eingewöhnungsprobleme haben wieder einmal gezeigt, wie wichtig die Rolle des Copiloten im Gespannrennsport ist. Das war für uns kein ideales Wochenende. Aber 16 Punkte sind besser als gar keine, vor allem weil wir als WM-Fahrer zwei Terminüberschneidungen mit der IDM haben.“ Die weiteren IDM-Rennen wird Jörg Steinhausen mit dem Neunkirchener Axel Kölsch bestreiten, mit dem er bereits einmal die Deutsche Meisterschaft geholt hat. Kölsch war am Lausitzring Beifahrer des Bayers Baptist Kohlmann.
Aufholjagd Nummer 2 fand etwas im Schatten von Steinhausens Parforceritt statt. Lausitzring-Vorjahressieger Markus Schlosser stand mit seinem neuen Beifahrer Andreas Kolloch als Dritter in der ersten Startreihe, wurde jedoch beim Anbremsen der ersten Linkskurve vom Österreicher Harald Hainbucher „angeschoben“ und auf die „äußere Umlaufbahn“ des Kurses geschickt. Als die schweizerisch-deutsche Paarung sich wieder sortiert hatte, hatten sie von Steinhausen die ungeliebte „rote Laterne“ übernommen. Natürlich nicht lange, denn trotz einer leichten Beschädigung machte die gelb-schwarze LCR-Suzuki einen Platz nach dem anderen gut, um schließlich auf dem 6. Platz abgewinkt zu werden. Davor hatte sich ein fast schon gewohntes, aber immer wieder faszinierendes Duell der beiden Sachsen-Teams abgespielt. Viele Runden lang versuchte Uwe Göttlich an seinem Landsmann Wolfram Centner vorbeizukommen, aber vergeblich: Die gelbe Yamaha verteidigte den 4. Platz gegen die grüne Suzuki. In der Schlussphase hatten die Radebeuler Centner und Helbig sogar noch Luft, um einen Angriff auf den langsamer werdenden Steinhausen zu starten.
Im Mittelfeld fochten gleich fünf Teams ihren Strauß um Platz 7 aus. Zuerst verabschiedeten sich in der dritten Runde die jungen Österreicher Michael und Bernd Grabmüller mit einer Rolle seitwärts, als sie versuchten, den Ostfriesen Dieter Eilers außen zu überholen. Kurt Hock/Enrico Becker sahen als Letzte dieses Quintetts die gelbe LCR-Yamaha vor sich quer über die Piste fliegen, nutzten aber ihrerseits die Chance, um sowohl Eilers/Freund als auch die Schweizer Schröder/Burkard zu überholen. Die Freude darüber währte aber nur knappe zwei Runden, dann mussten Hock/Becker mit Defekt aufgeben. Während Hainbucher/Adelsberger sich nach vorn etwas Luft verschaffen konnten, lieferten sich die verbliebenen Kampfhähne Schröder und Eilers ein erbittertes Duell um Platz acht. Doch so sehr sich der Ostfriese Eilers auch abmühte, der Eidgenosse Schröder verteidigte sein Terrain erfolgreich mit allen fairen Mitteln.
Der von der Interessengemeinschaft Gespannrennen (IGG) ausgeschriebene Rookie-Pokal ging an Harald Kuttler und Hannes Grauer aus Kusterdingen, die mit ihrer RSR-Yamaha zum ersten Mal an einem IDM-Rennen teilnahmen und auf Anhieb den 13. Platz belegten.